10.01.2012

Der Self-made-man aus Göttingen

Olaf Feuerstein vom „Bullerjahn“ für die Kategorie Food nominiert

Olaf Feuerstein vom „Bullerjahn“ für die Kategorie Food nominiert
Olaf Feuerstein vom „Bullerjahn“ für die Kategorie Food nominiert

Göttingen, 10. Januar 2012. Olaf Feuerstein, Betreiber der Speise- & Schankwirtschaft „Bullerjahn im alten Rathaus“ von Göttingen, ist das Musterexemplar eines Self-made-man. Ihm gelang das, was man eher aus dem entfernten Amerika kennt und nicht in seinen Anfängen an der Cuxhavener Nordseeküste vermuten würde: der Aufstieg vom Tellerwäscher zum Millionär.

Um die hohe Kunst des Kochens zu erlernen, hatte sich Feuerstein in jungen Jahren an das edle Badhotel Sternhagen in Cuxhaven gewandt. Wer dort eine Kochlehre beginnen wollte, musste zunächst für ein Jahr in die Küche, um sich beim Tellerwaschen zu bewähren. Der junge Mann, dessen Mutter eine Pension und Gastwirtschaft betrieb, zögerte keinen Moment und zog die „Eintrittskarte“ seines Lebens, weil er schon damals das klare Ziel vor Augen hatte, sich in der Gastronomie verwirklichen zu wollen. Da er mit 17 Jahren knapp bei Kasse war, gründete er neben seiner Ausbildung auch gleich sein erstes eigenes Unternehmen: einen Lieferservice für frische Brötchen, Milch und Tageszeitungen in Cuxhaven. Es war die Frau Mutter, die seinerzeit die Amtspapiere dafür unterschreiben musste, weil ihr Sohn noch nicht volljährig war.

Innerhalb von zwölf Jahren arbeitete sich Feuerstein in verschiedenen Küchen in Cuxhaven empor und avancierte zum Küchenchef. Dann wechselte er von der Praxis in die Theorie an die Hotelfachschule nach Stadthagen. Nach Studienabschluss zog es ihn zu Klaus Rudolf nach Ahaus, für den er die Leitung des Ratshotels sowie zweier Wasserschlösser mit angeschlossener Gastronomie übernahm. Als vermeintlicher „Schlossherr“ wurde er dann auch im Fernsehen bekannt: insgesamt 54 Mal stand er bei den Traumhochzeiten von Linda de Mol neben und manchmal auch vor der Kamera. Im Alter von 29 Jahren tauchte eine Stellenanzeige in Feuersteins Leben auf, die seine weitere berufliche Zukunft bestimmen sollte: das 4-Sterne Tagungs- und Eventhotel „Freizeit In“ in Göttingen suchte einen Wirtschaftsdirektor - er bewarb sich und bekam den Job.

Der Sprung nach Göttingen war der Auftakt für eine großartige unternehmerische Karriere. Nur zwei Jahre nach seinem Einstieg ins Hotel-, Tagungs- und Bankettgeschäft bot ihm der Inhaber des „Freizeit In“ eine 19 Prozent Beteiligung an dem Hotel mit 480 Betten, 44 Sälen und mehreren Restaurants an. In den Folgejahren sollte das „Freizeit In“ insgesamt sieben Mal zum besten Tagungshotel Deutschlands gewählt werden. Allein diese Auszeichnungen dürften maßgeblich dazu beigetragen.

Heute besitzt der Wahlgöttinger und jahrelange Präsident der Hoteldirektorenvereinigung Deutschland 77,5% am Hotel „Freizeit In“ und sein Kompagnon Jörg Trilling als kaufmännischer Leiter weitere 22,5%. Während der „Bullerjahn“ unter der Betreibergesellschaft GustoDeluxe GmbH geführt wird, bildet das „Freizeit In“ die Dachgesellschaft für alle Restaurants in seinem Hotel sowie für das „Planea Basic“, ein Fine-Dining-Restaurant mit regional frischer Küche, das Feuerstein vor ein paar Jahren in der alten Sternwarte Göttingens eröffnet hat.

Dass er auch Doppelbelastungen wegsteckt, wenn die Motivation stimmt, bewies Feuer-stein in seinen Göttinger Anfangsjahren nach der Scheidung von seiner ersten Frau. Aus-gestattet mit dem alleinigen Sorgerecht für seine damals eineinhalbjährige Tochter, küm-merte er sich liebevoll um Kind und Erziehung, während das Hotelmanagement gleichzeitig viel Kraft von ihm forderte. Zu seinem Glück lernte der heute 48jährige einige Jahre später eine Architektin kennen, die beruflich an der Erweiterung seines Hotels beteiligt war. Aus der anfänglichen Geschäftsliaison entwickelte sich Liebe, aus der eine neue Ehe und drei weitere eigene Kinder hervorgegangen sind.

Ã?ber zu wenig Arbeit konnte sich Feuerstein seit Beginn seiner Göttinger Zeit nie beklagen. Als sich Anfang 2010 für ihn die Möglichkeit, den Ratskeller im alten Rathaus am Göttinger Markt zu übernehmen, überlegte er aber nicht lange und schlug zu: nach nur achtmonatiger Bauzeit, kompletter Entkernung und Sanierung bei Investitionskosten von 3,2 Mio. Euro, die er sich mit der Stadt teilte, wurde die Speise- und Schankwirtschaft Bullerjahn im Ratskeller eröffnet. Namensgeber war der ehemalige Musikdirektor Rudolf Bullerjahn, der von 1886 bis 1890 in Göttingen tätig war und mit seinem Kompositionen, Liedern und seiner Kapellenmusik damalige Studentenscharen begeisterte, was sich bis heute als Tradition in der südniedersächsischen Universitätsstadt fortsetzt.

Der große Saal im Bullerjahn bietet 197 Gästen Plätze, 20 davon an der Theke, 45 Sitzplätze auf der rechten Empore, 74 auf der linken Empore, von der ein kleines Treppchen in die Scharwache führt, einem Gesellschaftsraum mit weiteren 38 Plätzen. In der unter niedrigen Gewölbedecken eingebauten Küche werden deutsche regionale Gerichte gekocht, durch pfiffige Ideen von Küchenleiter Swen Biensack modern interpretiert. Zudem verfügt der Bullerjahn über eine eigene Bäckerei und Konditorei: täglich werden mehr als 200 Brote nicht nur an die Restaurantgäste, sondern auch nach draußen für Laufkunden von der Straße verkauft. Neben dem Backofen können an einem kleinen Kontor zusätzlich Feinkostprodukte aus eigener Herstellung und der Region erworben werden. Die Speise- und Schankwirtschaft hat täglich von 8 Uhr an geöffnet und bietet Frühstück, Mittagstisch mit täglich wechselnden Gerichten, Kaffee und Kuchen sowie Abendessen an.

50 Mitarbeiter sorgen im Bullerjahn dafür, dass die Gäste zufrieden sein dürfen. Die gesamte Wirtschaft mit insgesamt 389 Quadratmetern kann für Feiern von Gesellschaften bis zu 300 Personen exklusiv gebucht werden. Durch die Anbindung an die Küchenbetriebe des „Freizeit In“ ist Feuersteins Firma GustoDeluxe heute in der Lage, Caterings für bis zu 11 000 Personen zu arrangieren, was nur wenige der Besten in dieser Branche zu leisten im Stande sind. Mit 63 Auszubildenden ist die „Freizeit In“-Gruppe zudem der größte Ausbildungsbetrieb in Südniedersachsen.

Wer in einer solchen Liga spielt, der muss schon ein echter „Macher“ sein, ein Unternehmer, der anpackt und viel selbst unternimmt, wenn es drauf ankommt. „Ich kann mich jede Stunde in einen neuen Job hineindenken und in Sekundenschnelle wieder umdenken“, weiß sich Olaf Feuerstein selbst einzuschätzen und meint dabei, dass er auch schon mal das Fließband einer Spülmaschine repariert oder sich bei großem Kundenandrang das Tablett schnappt und selbst kellnern geht. Bei alledem hält er sich aber auch immer den Rücken für sein Familienleben frei. Im Büro arbeitet er deshalb auch am liebsten von 23 Uhr bis nachts um 2 Uhr, weil dann kein Telefon klingelt. Trotzdem steht er am nächsten Morgen um 6 Uhr auf und macht zusammen mit seiner Frau seine vier Kinder für den Kindergarten und die Schule fertig. Aber auch aufs regionale Netzwerken über Facebook versteht er sich. Mehr als 1000 Freunde verfolgen seine Nachrichten, die er hin und wieder posted. Zuletzt war es ein Aufruf zum Freibier auf der Außenterrasse des Bullerjahn im Sommer 2011. Mehr als 150 Freunde folgten spontan der Einladung. Und wer hat bedient? Natürlich Olaf Feuerstein persönlich.

 
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